By Immanuel Kant. Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? What is Enlightenment philosophy. Published 1784. (Berlinische Monatsschrift.)

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AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

DECLARATION is the output of man from his self-inflicted immaturity. Infancy is the inability to use one’s mind without the direction of another. Self-inflicted is this immaturity, if the cause of it is not lack of reason, but resolution and courage to make use of it without the guidance of another. Sapere aude! Have the courage to use your own understanding! is therefore the motto of the Enlightenment.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen [A482] (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperreten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen, allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern und schreckt gemeiniglich von allen ferneren Versuchen ab.

Laziness and cowardice are the reasons why such a large part of the people, having long since acquitted nature of foreign leadership [A482] (naturaliter maiorennes), nevertheless like to remain underage for life; and why it becomes so easy for others to pose to their guardians. It is so comfortable to be underage. If I have a book that has my wits about me, a pastor who has conscience for me, a doctor who judges my diet, and so on, I do not need to make any effort myself. I do not need to think, if only I can pay; others will take over the morose business for me. The fact that by far the greatest part of men (among them the whole fairer sex) holds the step to maturity apart from the fact that he is cumbersome, is already ensured by those guardians who have kindly undertaken the supervision of them. After making their livestock stupid at first, and carefully guarding that these quiet creatures were not allowed to venture a step beyond the buggy in which they imprisoned them, afterwards they show them the danger that threatens them when they try to do so alone go. Now, this danger is not so great, for they would learn to walk through a few traps at last; but an example of that kind makes you timid and generally discourages all further attempts.

Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit [A483] herauszuarbeiten. Er hat sie sogar liebgewonnen und ist vorderhand wirklich unfähig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ. Satzungen und Formeln, diese mechanischen Werkzeuge eines vernünftigen Gebrauchs oder vielmehr Mißbrauchs seiner Naturgaben, sind die Fußschellen einer immerwährenden Unmündigkeit. Wer sie auch abwürfe, würde dennoch auch über den schmalesten Graben einen nur unsicheren Sprung tun, weil er zu dergleichen freier Bewegung nicht gewöhnt ist. Daher gibt es nur wenige, denen es gelungen ist, durch eigene Bearbeitung ihres Geistes sich aus der Unmündigkeit herauszuwickeln und dennoch einen sicheren Gang zu tun.

It is therefore difficult for every single person to work his way out of the immaturity that has almost become natural to him. He even loved her and for the time being is really unable to use his own mind because they never let him try it. Constitutions and formulas, these mechanical tools of rational use or rather misuse of his natural gifts, are the footsteps of perpetual immaturity. Whoever throws them off would nevertheless make an unsafe jump over the narrowest ditch, because he is not used to such free movement. Therefore, there are only a few who have managed to work their way out of immaturity by doing their own work and still doing a safe walk …

Daß aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja es ist, wenn man ihm nur Freiheit läßt, beinahe unausbleiblich. Denn da werden sich immer einige Selbstdenkende, sogar unter den eingesetzten Vormündern des großen Haufens finden, welche, nachdem sie das Joch der Unmündigkeit selbst abgeworfen haben, den Geist einer vernünftigen Schätzung des eigenen Werts und des Berufs jedes Menschen, selbst zu denken, um sich verbreiten werden. Besonders ist hiebei: daß das Publikum, welches zuvor von ihnen unter dieses Joch gebracht worden, sie hernach selbst zwingt, darunter zu bleiben, wenn es von einigen seiner Vormünder, die selbst aller Aufklärung unfähig sind, dazu aufgewiegelt [A484] worden; so schädlich ist es, Vorurteile zu pflanzen, weil sie sich zuletzt an denen selbst rächen, die oder deren Vorgänger ihre Urheber gewesen sind. Daher kann ein Publikum nur langsam zur Aufklärung gelangen. Durch eine Revolution wird vielleicht wohl ein Abfall von persönlichem Despotism und gewinnsüchtiger oder herrschsüchtiger Bedrückung, aber niemals wahre Reform der Denkungsart zustande kommen; sondern neue Vorurteile werden, ebensowohl als die alten, zum Leitbande des gedankenlosen großen Haufens dienen.

But that an audience can enlighten itself is rather possible; yes, it is almost inevitable, if you leave him only freedom. For there will always find some self-thinkers, even among the appointed guardians of the great heap, who, having cast off the yoke of immaturity themselves, the spirit of a rational estimation of each man’s own worth and profession, even to think about himself be spread. It is especially true that the public, which had previously been brought under this yoke by them, afterwards compelled them to remain under it, when it was incited to it by some of his guardians, who are themselves incapable of all enlightenment [A484]; it is so damaging to plant prejudices because they last avenge themselves on those who or their predecessors were their authors. Therefore, an audience can only slowly reach the Enlightenment. A revolution may well bring about a decline of personal despotism and profit-seeking or domineering oppression, but never true reform of the mindset; but new prejudices, as well as the old ones, will serve as the guiding line of the thoughtless large crowd.

Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen. Nun höre ich aber von allen Seiten rufen: Räsonniert nicht! Der Offizier sagt: Räsonniert nicht, sondern exerziert! Der Finanzrat: Räsonniert nicht, sondern bezahlt! Der Geistliche: Räsonniert nicht, sondern glaubt! (Nur ein einziger Herr in der Welt sagt: Räsonniert, soviel ihr wollt und worüber ihr wollt, aber gehorcht!) Hier ist überall Einschränkung der Freiheit. Welche Einschränkung aber ist der Aufklärung hinderlich, welche nicht, sondern ihr wohl gar beförderlich? – Ich antworte: Der öffentliche Gebrauch seiner Vernunft muß jederzeit frei sein, und der allein kann Aufklärung unter Menschen zustande [A485] bringen; der Privatgebrauchderselben aber darf öfters sehr enge eingeschränkt sein, ohne doch darum den Fortschritt der Aufklärung sonderlich zu hindern. Ich verstehe aber unter dem öffentlichen Gebrauche seiner eigenen Vernunft denjenigen, den jemand als Gelehrter von ihr vor dem ganzen Publikum der Leserwelt macht.

For this enlightenment nothing is required but freedom; and indeed the most harmless of all that may be called only freedom, namely, to make public use of its reason in all its parts. But now I hear from all sides call: Räsonniert not! The officer says: Do not argue, but practice! The Finance Council: Reasoned not, but paid! The clergyman: Do not argue, but believe! (Only one lord in the world says: Reasoned, whatever you want and what you want, but obey!) Here is restriction of freedom everywhere. But what restriction hinders the Enlightenment, which does not, but rather promotes it? I answer: The public use of his reason must be free at all times, and alone can bring enlightenment among men [A485]; their private use, however, may often be very narrow, without, however, hindering the progress of the Enlightenment. Under the public use of his own reason, however, I understand the one whom a scholar makes of her before the whole public of the reader world.

Den Privatgebrauch nenne ich denjenigen, den er in einem gewissen ihm anvertrauten bürgerlichen Posten oder Amte von seiner Vernunft machen darf. Nun ist zu manchen Geschäften, die in das Interesse des gemeinen Wesens laufen, ein gewisser Mechanism notwendig, vermittelst dessen einige Glieder des gemeinen Wesens sich bloß passiv verhalten müssen, um durch eine künstliche Einhelligkeit von der Regierung zu öffentlichen Zwecken gerichtet oder wenigstens von der Zerstörung dieser Zwecke abgehalten zu werden. Hier ist es nun freilich nicht erlaubt zu räsonnieren; sondern man muß gehorchen. Sofern sich aber dieser Teil der Maschine zugleich als Glied eines ganzen gemeinen Wesens, ja sogar der Weltbürgergesellschaft ansieht, mithin in der Qualität eines Gelehrten, der sich an ein Publikum im eigentlichen Verstande durch Schriften wendet, kann er allerdings räsonnieren, ohne daß dadurch die Geschäfte leiden, zu denen er zum Teile als passives Glied angesetzt ist.

I call private use the one he is allowed to do of his reason in a certain bourgeois position or office entrusted to him. Now, to some transactions which are in the interest of the common essence, a certain mechanism is necessary, by means of which some members of the common being must merely behave passively, directed by an unanimous arbitration by the government for public ends, or at least destruction to be held for these purposes. Of course, here it is not allowed to reason; but one must obey. However, insofar as this part of the machine at the same time regards itself as a member of a whole meanness, and even of world civilization, and thus in the quality of a scholar turning to a public in the true sense of the word, he can, however, reason without doing business to which he is partially attached as a passive member.

So würde es sehr verderblich sein, wenn ein Offizier, dem von seinen Oberen etwas anbefohlen wird, im Dienste [A486] über die Zweckmäßigkeit oder Nützlichkeit dieses Befehls laut vernünfteln wollte; er muß gehorchen. Es kann ihm aber billigermaßen nicht verwehrt werden, als Gelehrter über die Fehler im Kriegesdienste Anmerkungen zu machen und diese seinem Publikum zur Beurteilung vorzulegen. Der Bürger kann sich nicht weigern, die ihm auferlegten Abgaben zu leisten; sogar kann ein vorwitziger Tadel solcher Auflagen, wenn sie von ihm geleistet werden sollen, als ein Skandal, (das allgemeine Widersetzlichkeiten veranlassen könnte), bestraft werden. Ebenderselbe handelt demohngeachtet der Pflicht eines Bürgers nicht entgegen, wenn er als Gelehrter wider die Unschicklichkeit oder auch Ungerechtigkeit solcher Ausschreibungen öffentlich seine Gedanken äußert.

Thus it would be very pernicious if an officer commanded by his superiors wanted to aloud in the service of [A486] the usefulness or usefulness of this order; He must obey. However, he can not reasonably be denied the opportunity to make remarks as a scholar about the mistakes in the war service and present it to his audience for evaluation. The citizen can not refuse to pay the taxes imposed upon him; even a cheeky censure of such covenants, if they are to be made by him, can be punished as a scandal (which might cause general antagonisms). The same is true regardless of the duty of a citizen, when he publicly expresses his thoughts as a scholar against the impropriety or even unfairness of such invitations to tender.

Ebenso ist ein Geistlicher verbunden, seinen Katechismusschülern und seiner Gemeine nach dem Symbol der Kirche, der er dient, seinen Vortrag zu tun, denn er ist auf diese Bedingung angenommen worden. Aber als Gelehrter hat er volle Freiheit, ja sogar den Beruf dazu, alle seine sorgfältig geprüften und wohlmeinenden Gedanken über das Fehlerhafte in jenem Symbol und Vorschläge wegen besserer Einrichtung des Religions- und Kirchenwesens dem Publikum mitzuteilen. Es ist hiebei auch nichts, was dem Gewissen zur Last gelegt werden könnte. Denn was er zufolge seines Amts als Geschäftträger der Kirche lehrt, das stellt er als etwas vor, in Ansehung [A487] dessen er nicht freie Gewalt hat, nach eigenem Gutdünken zu lehren, sondern das er nach Vorschrift und im Namen eines andern vorzutragen angestellt ist.

Er wird sagen: unsere Kirche lehrt dieses oder jenes; das sind die Beweisgründe, deren sie sich bedient. Er zieht alsdann allen praktischen Nutzen für seine Gemeinde aus Satzungen, die er selbst nicht mit voller Überzeugung unterschreiben würde, zu deren Vortrag er sich gleichwohl anheischig machen kann, weil es doch nicht ganz unmöglich ist, daß darin Wahrheit verborgen läge, auf alle Fälle aber wenigstens doch nichts der innern Religion Widersprechendes darin angetroffen wird. Denn glaubte er das letztere darin zu finden, so würde er sein Amt mit Gewissen nicht verwalten können; er müßte es niederlegen. Der Gebrauch also, den ein angestellter Lehrer von seiner Vernunft vor seiner Gemeinde macht, ist bloß ein Privatgebrauch, weil diese immer nur eine häusliche, obzwar noch so große Versammlung ist; und in Ansehung dessen ist er als Priester nicht frei und darf es auch nicht sein, weil er einen fremden Auftrag ausrichtet. Dagegen als Gelehrter, der durch Schriften zum eigentlichen Publikum, nämlich der Welt spricht, mithin der Geistliche im öffentlichen Gebrauche seiner Vernunft, genießt einer uneingeschränkten Freiheit, sich seiner eigenen Vernunft zu bedienen und in seiner eigenen Person zu sprechen. Denn daß die Vormünder des Volks [A488] (in geistlichen Dingen) selbst wieder unmündig sein sollen, ist eine Ungereimtheit, die auf Verewigung der Ungereimtheiten hinausläuft.

He will say: our church teaches this or that; these are the reasons why she uses them. He then draws all the practical benefits for his community from statutes which he himself would not sign with complete conviction, to whose lecture he can nevertheless make a claim, because it is not altogether impossible that truth would be hidden therein, but in any case at least nothing of the internal religion contradictory is found in it. For if he thought he would find the latter in it, he would not be able to administer his office with conscience; he would have to put it down. The use that an employed teacher makes of his reason before his congregation is merely a private use, because it is always only a domestic, however great congregation; and in view of this, he is not free as a priest, nor is he allowed to be, because he is arranging a foreign assignment. On the other hand, as a scholar who speaks to the actual public, that is, to the world, and consequently to the clergyman in the public use of his reason, enjoys an unrestricted freedom to use his own reason and to speak in his own person. For the guardians of the people [A488] (in spiritual matters) should themselves be minors, is an absurdity that amounts to perpetuation of the absurdities.

Aber sollte nicht eine Gesellschaft von Geistlichen, etwa eine Kirchenversammlung oder eine ehrwürdige Classis (wie sie sich unter den Holländern selbst nennt), berechtigt sein, sich eidlich auf ein gewisses unveränderliches Symbol zu verpflichten, um so eine unaufhörliche Obervormundschaft über jedes ihrer Glieder und vermittelst ihrer über das Volk zu führen und diese so gar zu verewigen? Ich sage: das ist ganz unmöglich. Ein solcher Kontrakt, der auf immer alle weitere Aufklärung vom Menschengeschlechte abzuhalten geschlossen würde, ist schlechterdings null und nichtig; und sollte er auch durch die oberste Gewalt, durch Reichstage und die feierlichsten Friedensschlüsse bestätigt sein.

But should not a society of clerics, such as a church assembly or a venerable Classis (as it calls itself among the Dutch), be entitled to pledge to commit themselves to a certain immutable symbol, to procure a perpetual tutelage over each of their members and mediators to lead them over the people and to perpetuate them? I say: that is impossible. Such a contract, which would always prevent any further explanation of the human race, is absolutely null and void; and he should also be confirmed by the supreme power, by the Diet and the most solemn peace treaties.

Ein Zeitalter kann sich nicht verbünden und darauf verschwören, das folgende in einen Zustand zu setzen, darin es ihm unmöglich werden muß, seine (vornehmlich so sehr angelegentliche) Erkenntnisse zu erweitern, von Irrtümern zu reinigen und überhaupt in der Aufklärung weiterzuschreiten. Das wäre ein Verbrechen wider die menschliche Natur, deren ursprüngliche Bestimmung gerade in diesem Fortschreiten besteht; und die Nachkommen sind also vollkommen dazu berechtigt, jene Beschlüsse, als unbefugter und frevelhafter Weise genommen, zu verwerfen. Der Probierstein [A489]alles dessen, was über ein Volk als Gesetz beschlossen werden kann, liegt in der Frage: ob ein Volk sich selbst wohl ein solches Gesetz auferlegen könnte? Nun wäre dieses wohl, gleichsam in der Erwartung eines bessern, auf eine bestimmte kurze Zeit möglich, um eine gewisse Ordnung einzuführen: indem man es zugleich jedem der Bürger, vornehmlich dem Geistlichen, frei ließe, in der Qualität eines Gelehrten öffentlich, d. i. durch Schriften, über das Fehlerhafte der dermaligen Einrichtung seine Anmerkungen zu machen, indessen die eingeführte Ordnung noch immer fortdauerte, bis die Einsicht in die Beschaffenheit dieser Sachen öffentlich so weit gekommen und bewähret worden, daß sie durch Vereinigung ihrer Stimmen (wenngleich nicht aller) einen Vorschlag vor den Thron bringen könnte, um diejenigen Gemeinden in Schutz zu nehmen, die sich etwa nach ihren Begriffen der besseren Einsicht zu einer veränderten Religionseinrichtung geeinigt hätten, ohne doch diejenigen zu hindern, die es beim alten wollten bewenden lassen. Aber auf eine beharrliche, von niemanden öffentlich zu bezweifelnde Religionsverfassung auch nur binnen der Lebensdauer eines Menschen sich zu einigen, und dadurch einen Zeitraum in dem Fortgange der Menschheit zur Verbesserung gleichsam zu vernichten und fruchtlos, dadurch aber wohl gar der Nachkommenschaft nachteilig zu machen ist schlechterdings unerlaubt. Ein Mensch kann zwar für seine Person [A490] und auch alsdann nur auf einige Zeit in dem, was ihm zu wissen obliegt, die Aufklärung aufschieben; aber auf sie Verzicht zu tun, es sei für seine Person, mehr aber noch für die Nachkommenschaft, heißt die heiligen Rechte der Menschheit verletzen und mit Füßen treten. Was aber nicht einmal ein Volk über sich selbst beschließen darf, das darf noch weniger ein Monarch über das Volk beschließen; denn sein gesetzgebendes Ansehen beruht eben darauf, daß er den gesamten Volkswillen in dem seinigen vereinigt.

An age can not unite and conspire to put the following in a state in which it must be impossible for him to broaden his (mainly so very appropriate) insights, to purify from errors and even to progress in the Enlightenment. That would be a crime against human nature whose original purpose consists precisely in this progression; and the descendants are therefore perfectly entitled to reject those decisions, taken as unauthorized and outrageous. The test-stone [A489] of everything that can be decided upon as a law by a people lies in the question: whether a people could well impose such a law on themselves? Now, as it were in the expectation of a better life, this would probably be possible for a certain short time, in order to introduce a certain order: by making it at the same time freely available to every citizen, principally the cleric, in the quality of a scholar. i. to make his observations through writings about the faultiness of the dermal device, while the established order continued to persist, until the insight into the nature of these things had come and been publicly brought to the fore by uniting their voices (though not all) Proposal before the throne could bring to protect those communities that would have agreed about their terms of better insight to a changed religion institution, but without hindering those who want to keep the old. But agreeing on a persistent religious constitution, which nobody publicly disputes, even within the lifespan of a human being, and thereby destroying as it were a period in the progress of humanity for improvement, is fruitless, but even disadvantageous to offspring illicit. It is true that a person can postpone the explanation of his person [A490] and then only for a time in what he is supposed to know; but to renounce them, be it for his own person, but more for offspring, means to violate and trample the sacred rights of humanity. But what a people may not decide upon itself, even less a monarch may decide on the people; for his legislative authority is based on the fact that he unites the entire popular will in his own.

Wenn er nur darauf sieht, daß alle wahre oder vermeinte Verbesserung mit der bürgerlichen Ordnung zusammenbestehe, so kann er seine Untertanen übrigens nur selbst machen lassen, was sie um ihres Seelenheils willen zu tun nötig finden; das geht ihn nichts an, wohl aber zu verhüten, daß nicht einer den andern gewalttätig hindere, an der Bestimmung und Beförderung desselben nach allem seinen Vermögen zu arbeiten. Es tut selbst seiner Majestät Abbruch, wenn er sich hierin mischt, indem er die Schriften, wodurch seine Untertanen ihre Einsichten ins reine zu bringen suchen, seiner Regierungsaufsicht würdigt, sowohl wenn er dieses aus eigener höchsten Einsicht tut, wo er sich dem Vorwurfe aussetzt: Caesar non est supra grammaticos, als auch und noch weit mehr, wenn er seine oberste Gewalt soweit erniedrigt, den geistlichen Despotism einiger Tyrannen [A491] in seinem Staate gegen seine übrigen Untertanen zu unterstützen.

If he only sees to it that all true or imagined improvement is consistent with the bourgeois order, then he can, by the way, only let his subjects do what they need to do for the sake of their salvation; it is none of his business, but it is to prevent that one does not violently prevent another from working on his destiny and promotion after all. He himself breaks off from his Majesty by interfering in this by honoring the writings by which his subjects seek to purify their insights from his governmental oversight, both when he does so out of his own highest intelligence, where he submits to reproaches: Caesar non est supra grammaticos, as well as and much more, if he humbles his supreme power so far as to support the spiritual despotism of some tyrants [A491] in his state against his other subjects.

Wenn denn nun gefragt wird: leben wir jetzt in einem aufgeklärten Zeitalter? so ist die Antwort: Nein, aber wohl in einem Zeitalter der Aufklärung. Daß die Menschen, wie die Sachen jetzt stehen, im ganzen genommen, schon imstande wären oder darin auch nur gesetzt werden könnten, in Religionsdingen sich ihres eigenen Verstandes ohne Leitung eines andern sicher und gut zu bedienen, daran fehlt noch sehr viel. Allein, daß jetzt ihnen doch das Feld geöffnet wird, sich dahin frei zu bearbeiten und die Hindernisse der allgemeinen Aufklärung oder des Ausganges aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit allmählich weniger werden, davon haben wir doch deutliche Anzeigen. In diesem Betracht ist dieses Zeitalter das Zeitalter der Aufklärung oder das Jahrhundert FRIEDERICHS.

When asked, are we living in an enlightened age? So the answer is no, but probably in an age of enlightenment. That men, as things stand now, on the whole, are already capable of, or even able to be set in, to use their own intellect in religious matters without the guidance of another, is still very much lacking. But the fact that now the field is opened to them, to work freely there, and the obstacles of the general enlightenment or the outcome of their self-inflicted immaturity gradually diminish, we have clear indications. In this view, this age is the Age of Enlightenment.

Ein Fürst, der es seiner nicht unwürdig findet zu sagen, daß er es für Pflicht halte, in Religionsdingen den Menschen nichts vorzuschreiben, sondern ihnen darin volle Freiheit zu lassen, der also selbst den hochmütigen Namen der Toleranz von sich ablehnt, ist selbst aufgeklärt und verdient von der dankbaren Welt und Nachwelt als derjenige gepriesen zu werden, der zuerst das menschliche Geschlecht der Unmündigkeit, wenigsten von seiten der Regierung, entschlug und jedem frei ließ, sich [A492] in allem, was Gewissensangelegenheit ist, seiner eigenen Vernunft zu bedienen. Unter ihm dürfen verehrungswürdige Geistliche, unbeschadet ihrer Amtspflicht, ihre vom angenommenen Symbol hier oder da abweichenden Urteile und Einsichten in der Qualität der Gelehrten frei und öffentlich der Welt zur Prüfung darlegen; noch mehr aber jeder andere, der durch keine Amtspflicht eingeschränkt ist. Dieser Geist der Freiheit breitet sich auch außerhalb aus, selbst da, wo er mit äußeren Hindernissen einer sich selbst mißverstehenden Regierung zu ringen hat. Denn es leuchtet dieser doch ein Beispiel vor, daß bei Freiheit für die öffentliche Ruhe und Einigkeit des gemeinen Wesens nicht das mindeste zu besorgen sei. Die Menschen arbeiten sich von selbst nach und nach aus der Rohigkeit heraus, wenn man nur nicht absichtlich künstelt, um sie darin zu erhalten.

A prince who does not find it unworthy to say that he considers it his duty not to impose anything on people in religious matters, but to give them full freedom in that, even rejects the haughty name of tolerance, is himself enlightened and deserves to be praised by the grateful world and posterity as the one who first rejected the human race of immaturity, at least on the part of the government, and left it to each man to serve his own reason in all matters of conscience. Below him, venerable clerics, without prejudice to their official duties, may freely and publicly disclose to the world, for their consideration, their judgments and insights in the quality of the scholars, deviating from the accepted symbol here and there; but even more so anyone else who is not restricted by any official duty. This spirit of freedom is also spreading outside, even where it has to contend with the external obstacles of a self-misunderstanding government. For it is clear to this one example that in the case of freedom there is not the least thing to do for the public peace and unity of the common being. People are gradually working their way out of the raw, if you just do not artificially work them to keep them in there.

Ich habe den Hauptpunkt der Aufklärung, d. i. des Ausganges der Menschen aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit, vorzüglich in Religionssachen gesetzt, weil in Ansehung der Künste und Wissenschaften unsere Beherrscher kein Interesse haben, den Vormund über ihre Untertanen zu spielen, überdem auch jene Unmündigkeit, so wie die schädlichste, also auch die entehrendste unter allen ist. Aber die Denkungsart eines Staatsoberhaupts, der die erstere begünstigt, geht noch weiter und sieht ein: daß selbst in Ansehung seiner Gesetzgebung [A493] es ohne Gefahr sei, seinen Untertanen zu erlauben, von ihrer eigenen Vernunft öffentlichenGebrauch zu machen und ihre Gedanken über eine bessere Abfassung derselben, sogar mit einer freimütigen Kritik der schon gegebenen, der Welt öffentlich vorzulegen; davon wir ein glänzendes Beispiel haben, wodurch noch kein Monarch demjenigen vorging, welchen wir verehren.

I have the main point of the Enlightenment, d. i. the outcome of the people out of their self-inflicted immaturity, set exquisite in matters of religion, because in consideration of the arts and sciences our rulers have no interest in playing the guardian over their subjects, as well as that immaturity, as well as the most harmful, and therefore the most dishonorable everyone is. But the mindset of a head of state favoring the former goes even further, and sees that even in the light of his legislation [A493] there is no danger of allowing his subjects to make public use of their own reason and their thoughts of a better one Drafting them, even with an outspoken criticism of those already given, to present publicly to the world; of which we have a glorious example, whereby no monarch yet went before the one whom we worship.

Aber auch nur derjenige, der, selbst aufgeklärt, sich nicht vor Schatten fürchtet, zugleich aber ein wohldiszipliniertes zahlreiches Heer zum Bürgen der öffentlichen Ruhe zur Hand hat, – kann das sagen, was ein Freistaat nicht wagen darf: Räsonniert, soviel ihr wollt, und worüber ihr wollt; nur gehorcht! So zeigt sich hier ein befremdlicher, nicht erwarteter Gang menschlicher Dinge; sowie auch sonst, wenn man ihn im großen betrachtet, darin fast alles paradox ist. Ein größerer Grad bürgerlicher Freiheit scheint der Freiheit des Geistes des Volks vorteilhaft und setzt ihr doch unübersteigliche Schranken; ein Grad weniger von jener verschafft hingegen diesem Raum, sich nach allem seinen Vermögen auszubreiten. Wenn denn die Natur unter dieser harten Hülle den Keim, für den sie am zärtlichsten sorgt, nämlich den Hang und Beruf zum freien Denken, ausgewickelt hat: so wirkt dieser allmählich zurück auf die Sinnesart des Volks, (wodurch dies der Freiheit zu handeln [A494] nach und nach fähiger wird), und endlich auch sogar auf die Grundsätze der Regierung, die es ihr selbst zuträglich findet, den Menschen, der nun mehr als Maschine ist, seiner Würde gemäß zu behandeln.¹

But even he who, even enlightened, is not afraid of shadows, but at the same time has at his disposal a well-disciplined army to ensure public peace, can say what a free state must not dare: Reasoned, as much as you like, and what you want about; just obey! Thus a strange, unexpected course of human things is revealed here; as well as otherwise, if one looks at it on a large scale, it is almost all paradoxical. A greater degree of bourgeois freedom seems advantageous to the freedom of the people’s spirit, and yet sets limitless barriers to it; a degree less of that, on the other hand, gives this room the capacity to expand after all. If nature, under this hard shell, has developed the germ for which she cares most tenderly, namely the inclination and occupation for free thinking, then this gradually works back into the senses of the people (through which this freedom of action is acted) ] and finally even the principles of the government, which it finds itself conducive to treating the human being, who is now more than a machine, according to his dignity.